Männer kennen in dem Maße den entscheidenden Einschnitt im Leben nicht, den „die Frau“ durchlebt. Allzu oft versteht der Mann auch gar nicht, „was sie denn so hat…“ Frauen kommen in eine Grübelphase, wenn sie die kalkulatorische Lebensmitte durchschreiten.

Ein Blick zurück lässt sie Bilanz ziehen. Im Regelfalle verlief das bisherige Leben mal so mal so. Schule, Ausbildung, private Neuorientierung durch Partnerschaft und Kinder. Im Wesentlichen oblag der Frau das Management zu Hause. Nicht immer abwechslungsreich im Hinblick auf Spannung und Abenteuer, aber regelmäßig zeichnete die Frau für die Geschicke daheim verantwortlich. Kinder wurden größer und selbständiger. Die Frau dachte über ihre persönliche Weiterentwicklung nach. Zunächst ein Job, vielleicht ein Ehrenamt. So manche Frau zog es auch zurück in den angestammten Beruf. Soll es das gewesen sein? War das bislang der gelebte Lebenstraum? In der Vergangenheit war das Leben der Frau gesellschaftlich vorbestimmter als heute.

Frauen sind jetzt selbstbewusster, selbstständiger. Sie suchen nach ihrer selbstbestimmten Zukunft. Sie wollen es noch mal wissen, reflektieren ihre Ausbildung und ihren Status. Manch herber Einschnitt erzwingt geradezu eine Neuorientierung. Die Partnerschaft zerbricht. Die Kunst des Loslassens der eigenen Kinder gelingt mehr oder minder gut. Zweifel an der bisherigen optimalen Aus- und Weiterbildung veranlassen Frauen ab der Lebensmitte zur Kurskorrektur. Eingefahrene Muster aus der eigenen Erziehung erschweren ab und an den Prozess der Veränderung. Der „innere Schweinehund, es zu tun“ lähmt gute Absichten. Der Pegel der Unzufriedenheit wächst.

Das genau ist die Phase, in der „die Frau ab 40“ zu neuen Horizonten aufbricht. Noch fehlt das Eichen des inneren Kompasses. Wohin soll die Reise gehen? „Darf ich mir eine Kehrwende überhaupt erlauben“. Zweifel an der Akzeptanz des Partners oder der Kinder verleiten zur Verzögerung. Dramatisch wird es für die Zweiflerin, wenn Freundinnen, Bekannte sie in ihrem Zweifel, ihrem Zaudern bestärken, weil es denen auch nicht anders geht. Auch sie stehen mit beiden Beinen auf der Bremse und kommen nicht voran. Abhilfe, Befreiung ist geboten.

Da es nicht um Einzelschicksale, sondern vielmehr um eine „gesellschaftliche „Bewegung geht, bieten immer mehr Institute und Fachleute aus der Persönlichkeitsentwicklung Seminare für diese Zielgruppe an. „In der Gruppe lässt sich solidarisch leichter ein Neuanfang formulieren“, bestätigen Claudia Thurner-Puchert, Pädagogin, Gesundheitspädagogin und DBVB zertifizierter Burnout Prophylaxe Coach sowie Vorsitzende des MachMit-Vereins® und Georg-W. Moeller, Business Coach und Führungskräftetrainer sowie Personalentwickler aus Gröbenzell. Moeller ergänzt: „Frauen sind häufig mutiger als Männer, aber in dieser Frage der Neuorientierung braucht die Frau ab 40 Anschubhilfe“. Es gilt alte Muster kritisch zu hinterfragen, zumindest zu korrigieren oder sogar zu eliminieren.

In einem sind sich die beiden Seminarveranstalter zu diesem Thema einig: „Talente, besondere Fähigkeiten, liegen bei Erwachsenen meist tief verschüttet im Unterbewusstsein und wollen wie ein Schatz geborgen werden“. In der Kindheit bereits vorhanden, wurden diese Alleinstellungmerkmale selten gefördert. Diesen Schatz zu heben, bedeutet das Freiwerden enormer Schubkraft und eine nachhaltige, erfolgreiche wie glückliche zweite Lebenshälfte.